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M2 | Johann Melchior Goeze (1717–1786) Goeze war ein lutherischer Theologe, der in Hamburg wirkte und Gotthold Ephraim Lessings Hauptgegen spieler war. Goeze, Sohn eines evangelischen Pastors, wurde im Jahre 1755 zum Hauptpastor an der Katharinenkirche in Hamburg berufen. Von dort aus wurde er einer der wichtigsten Gegner der Aufklärung. Er entwickelte sich zum Wortführer der lutherischen Stadtgeistlichkeit und wachte in dieser Rolle über die reine Lehre der christlich- lutherischen Orthodoxie, welche besagte: Unantastbar- keit der Bibel als Wort Gottes und einzige Offenbarung, Wunderglaube, ein allmächtiger und in die Geschichte eingreifender, d. h. strafender und belohnender Gott, sündige Natur des Menschen (Erbsünde), Monopolstel- lung der Kirche in Glaubensfragen, von Gott gegebene Ständegesellschaft und Alleingültigkeitsanspruch des Christentums gegenüber anderen Religionen. Goeze wurde vor allem durch seinen mit Gotthold Ephraim Lessing geführten Streit über die von diesem herausgegebenen „Fragmente eines Ungenannten“ (Tei- le einer Schrift von Hermann Samuel Reimarus) bekannt, den Fragmentenstreit. Etwas Vorläufiges gegen des Herrn Hofraths Leßings mittelbare und unmittelbare feindseli- ge Angriffe auf unsere allerheiligste Religion, und auf den einzigen Lehrgrund derselben, die heilige Schrift, von Johan Melchior Goeze, Hauptpastor an der St. Catharinen-Kirche zu Hamburg. M3 | Der Fragmentenstreit Mit dem Titel Fragmentenstreit wird die bedeutendste theologische Auseinandersetzung des 18. Jahrhunderts in Deutschland und die wohl wichtigste Kontroverse zwi- schen der Aufklärung und der orthodoxen lutherischen Theologie bezeichnet. Der Hamburger Gymnasialprofessor für orientalische Sprachen Hermann Samuel Reimarus verfasste zwischen 1735 und 1767 / 68 eine Schrift „Apologie oder Schutz- schrift für die vernünftigen Verehrer Gottes“. Mit dieser Schrift sollte die „natürliche Religion“ gegen die „Zu- mutungen“ eines biblischen Glaubens an übernatürliche Offenbarungen und Wunder verteidigt werden. Reimarus wagte aber nicht, die Schrift zu veröffentlichen. Eine gän- gige These besagt, dass Erben von Reimarus Teile einer frühen Fassung der „Apologie“ Gotthold Ephraim Lessing zur Verfügung stellten, unter der Bedingung, dass die An- onymität des Verfassers gewahrt bliebe. Lessing war ab 1770 Leiter der herzoglichen Bibliothek in Wolfenbüttel und gab in dieser Funktion ab 1773 die Zeitschrift „Zur Geschichte und Literatur. Aus den Schätzen der Her- zoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel“ heraus, für die er Zensurfreiheit genoss. Darin veröffentlichte er zwischen 1774 und 1778 sieben der ihm zugänglichen Passagen aus der „Apologie“ in mehreren Beiträgen unter dem Ti- tel „Fragmente eines Ungenannten“. Durch irreführende Andeutungen versuchte Lessing zusätzlich, den wahren Verfasser zu verbergen. Lessing wurde für den Inhalt der Fragmente verantwortlich gemacht, obwohl er die darin vertretenen Positionen nur teilweise teilte und die Publikation der Fragmente mit eigenen Einwänden und Gegenentwürfen begleitete („Gegensätze des Herausge- bers“). Auch Lessings Position in diesen „Gegensätzen“ wurde jedoch scharf angegriffen. Lessings Hauptgegner in dem Streit war der Hamburger Hauptpastor Johann Melchior Goeze, gegen den Lessing 1778 15 Schriften (u. a. elf „Anti-Goeze“ benannte Schriften) veröffentlichte. 1778 wurde Lessing vom Herzog die Zensurfreiheit für die „Beiträge“ aberkannt; gleichzeitig erhielt er ein ge- nerelles Publikationsverbot für das Gebiet der Religion. Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Fragmentenstreit (08.12.2020). 5 10 15 20 25 30 35 5 10 15 20 40
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